| Einstimmiger Spielbeschluss für 2007 - Premiere am 22. Juni 2007 um 20.45 Uhr. Ganz im Spannungsfeld zwischen Bewährtem und Neuem stand die GV der Welttheatergesellschaft Einsiedeln. Sie hiess einstimmig die nächste Spielperiode gut und damit auch das Engagement von Thomas Hürlimann und Volker Hesse. Keine Neuauflage der 2000er-Inszenierung stellen diese in Aussicht, sondern ein neues Stück. Vi. «Am Freitag, 22. Juni 2007, abends um 20.45 Uhr beginnt die Premiere!» Dieser weit vorausschauenden Vorankündigung von Welttheater-Präsident Peter Kälin ging ein regelrechter Gedankenmarathon voran.
Über viele Monate beschäftigte sich der Vorstand mit der Frage nach der Fortsetzung der «Erfolgsgeschichte 2000». Die Früchte dieser Arbeit lassen sich im eingangs erwähnten Satz zusammenfassen. Dessen Aussage umfasst vier grundlegende Entscheide, welche die ausserordentliche Generalversammlung am letzten Montagabend einstimmig gefällt hat: Gespielt wird im Jahr 2007; Autor ist Thomas Hürlimann, Regie führt Volker Hesse; die erste Budgetversion siedelt Aufwand und Ertrag knapp jenseits der drei Millionen Franken an. Vorstand: Mit dem nötigen Respekt Der Vorstand entscheide heute vor einem anderen Hintergrund als 1995, betonte Kälin: «Damals wurde der Neuausrichtung mit Skepsis und einigen Vorbehalten begegnet.» Heute sei die Herausforderung eine andere: Man starte aus der Position des Erfolges heraus. «Dennoch», so die präsidiale Warnung, «ist es nicht minder schwierig, dem Erfolgdruck stand zu halten.» Der Aufgabe begegne man mit dem nötigen Respekt. Diesen Respekt umschrieb Vorstandsmitglied Hanspeter Kälin mit der Frage: «Mit wem machen wir das nächste Welttheater?» Der Vorstand habe sich offen gezeigt für Neues und sich über eine lange Zeit Gedanken gemacht. Doch letztlich sei man auf Hürlimann und Hesse zurückgekommen: «Wir hatten ein Erfolgsduo. Das gegenseitige Vertrauen besteht.»
Dennoch werde 2007 «nicht mehr das Gleiche sein wie 2000». Hürlimann: Ein neues Stück Zu den Veränderungen inhaltlicher Art äusserte sich am Montagabend Autor Thomas Hürlimann (siehe Nachgefragt). Er sprach gegenüber den rund 80 Anwesenden von einer grossen Lust, «mit euch nochmals ein Welttheater zu machen», aber auch von der an ihn gestellten Anforderung, «etwas Neues zu schreiben». Das Neue erörterte er nicht inhaltlich (dafür ist es noch zu früh), sondern konzeptionell. Erwartet werden dürfe ein neues Stück und nicht etwa eine Überarbeitung der Fassung 2000. Basis sei erneut das Welttheater von Calderon de la Barca. In dieses alte Stück will Thomas Hürlimann «moderne Figuren mit aktuellen Fragen» stellen, «Lebensläufe unserer Zeit.» Die sieben Bilder und der Gang durch das eigene Leben bleiben. Sein Blick allerdings sei gegenüber 2000 «geschärft», was akzentuiertere Figuren und Problemstellungen erwarten lässt.
Als illustrierendes Beispiel führte er Labrador an. Beklagte der Bauer 2000 noch den Strukturwandel, ist für Hürlimann durchaus denkbar, dass Labrador – oder wie er in vier Jahren auch immer heissen mag – in einem Gentech-Labor arbeitet und Embryonen züchtet. «Die Figuren müssen mit der Realität zu tun haben.» Hesse: Vieldeutige Bilder In stark persönlich gefärbten Worten pries Regisseur Volker Hesse den Klosterplatz als einen Ort, wo man das Bedürfnis habe, grosse Fragen auszusprechen: Wozu leben wir? Was bleibt? Diese Fragen seien seit der letzten Inszenierung dringlicher geworden: «Wir sind seit 2000 noch unbehauster, noch unbeheimateter geworden.» Attentate in der Schweiz und der Welt, Kriege und Katastrophen führten zu Sinnfragen, die man in der Spassgesellschaft zuvor nicht hörte. Und die Theater würden nicht zuletzt stärker frequentiert, weil sich das Publikum diesen Sinnfragen stellen möchte. Den Einsiedler Klosterplatz, diese Aura des Ortes, suche man auf, um Fragen zu stellen, bewusster zu werden, sich helfen zu lassen. Hesse sieht für das Welttheater Bilder mit «grösserer Fremdheit» voraus, «vieldeutige Bilder, mit Ritualen und Geheimnissen.» Budget: knapp über drei Millionen Da zu einem Spielbeschluss zwingend ein Budget gehört, «muss ich auch eines vorlegen», packte Quästor Walter Meienberg eine relativ undankbare Aufgabe humorvoll an. Undankbar in Erinnerung der konkreten Verhältnisse der Spielperiode 2000: Letztlich wurden es sechs Budgetentwürfe. Doch nur mit einer rollenden Planung kann einem Mehrjahres-Projekt dieser Dimension entsprochen werden. Natürlich wolle man die Vorgaben einhalten, räumte Peter Kälin ein, doch «wenn andere Umstände es erfordern, müssen wir flexibel reagieren.» Wie flexibel, zeigte das erste Budget 2000, das Ausgaben und Einnahmen in der Höhe von rund 2,9 Millionen Franken voraussah. Die Rechnung aber schloss mit Einnahmen von vier Millionen Franken und Ausgaben von 3,4 Millionen! Wer will heute schon sagen, wie viele Leute im Jahr 2007 das Welttheater besuchen? Doch Meienberg hatte an der GV ein Budget zu präsentieren – «die erste Version», wie er sie nannte. Die aktuellen Berechnungen gehen von einem Aufwand von 3,03 und von Einnahmen von 3,05 Millionen Franken aus. Wie 2000 werden 50’000 zahlende Zuschauer erwartet; eine eher defensive Einschätzung. Die leicht erhöhte Tribünenkapazität (2650 statt 2500 Plätze) ermöglicht bei einer gleichbleibenden Aufführungszahl (36) einen maximalen Besuch von 95’000 Personen. Der letzten Spielperiode wohnten 65’000 zahlende Gäste bei. Spielbeschluss 2007: mit Begeisterung Auch Meienberg wurde mit langanhaltendem Applaus entlassen. Die Abstimmung über den Spielbeschluss 2007, die doch weitreichende Handlungen auslöste, erfolgte einstimmig und mit grosser Begeisterung. «Ich hoffe», so Peter Kälin, «dass diese Stimmung bis 2007 anhält.» Als eigentlichem Stimmungsmacher liess er dem Projektchor und dem OK 90 Stimmen ein grosses Kompliment und einen ebensolchen Dank zukommen. Nicht vergessen gingen Kloster Einsiedeln und namentlich Abt Martin Werlen. «Kloster und Abt sind interessiert und tragen das nächste Welttheater mit», konnte sich Peter Kälin freuen. «Wir dürfen auch 2007 wiederum auf dem Klosterplatz spielen.» |